Am Freitagmorgen stand ich, aufgrund der späten Konzerte des Vorabends, etwas später auf, trotz der ca. 140 Kilometer langen Tour nach Córdoba, die ich mir vorgenommen hatte. Ich dachte, ich könnte mir das erlauben, da für den Tag viel Rückenwind und Sonne angesagt war. Um ca. 10 Uhr gönnte ich mir ein landestypisches Frühstück, also ein halbiertes und getoastetes Brot mit Olivenöl (mehr oder weniger getränkt), Tomaten, Jamón und Queso, sowie einen frisch gepressten Orangensaft, und machte mich danach auf den Weg nach Córdoba. Das sonnige Wetter, die angenehmen Temperaturen und der Rückenwind boten optimale Konditionen für die Fahrt. Allerdings war der Weg entlang des Flusses Quadalquivir eher langweilig und flach, weshalb ich von der Strecke keine Fotos gemacht habe. Etwas, was ich bisher auf meiner Radreise auch gemerkt habe, ist, dass es sehr erholsam sein kann, einmal einen Tag lang nichts Spezielles zu erleben und sich einfach zu erholen von den vielen Erlebnissen, um dann wieder den Kopf für Neues freizuhaben. Hierfür ist eine Fahrt durch das “Nichts” perfekt! Deshalb gibt es heute auch für einmal keine Fotos, dafür ein schönes Zitat von Ernest Hemingway zum Radfahren:

It is by riding a bicycle that you learn the contours of a country best, since you have to sweat up the hills and coast down them. Thus you remember them as they actually are, while in a motor car only a high hill impresses you, and you have no such accurate remembrance of the country you have driven through as you gain by riding a bicycle.

Ernest Hemingway

Am Mittag legte ich eine Pause in Lora del Rio ein und setzte mich in ein Café an einen sonnigen Tisch. Als ich die etwas älteren Frauen am Tisch neben mir um eine Empfehlung aus der Karte fragte (ich verstehe häufig nicht alles und auf dem Land gibt es nur eine Karte auf Spanisch), luden sie mich prompt ein, an ihren Tisch zu sitzen und teilten ihr Mittagessen mit mir! Als alleinreisender Velofahrer ist es in Spanien, insbesondere auf dem Land, extrem einfach, mit Leuten in Kontakt zu kommen, was ich sehr schätze. Die eine der beiden Frauen war Landwirtin und hat einen Hof mit Oliven- und Orangenbäumen, wo sie mir sogar anbot zu übernachten! Solche Gastfreundschaft ist man sich aus der Schweiz leider nicht gewohnt und ich freute mich sehr über das angeregte Gespräch und die angenehme Begegnung.

Um etwa 19 Uhr und nach ca. 110 Tageskilometern war ich noch ca. 30 Kilometer von Córdoba entfernt und entschloss mich, den Bus für die restliche Strecke zu nehmen, um nicht im Dunkeln fahren zu müssen und um allenfalls noch ein Flamenco-Konzert hören gehen zu können. Offenbar scheinen in Spanien im Moment die Hotels schon stark ausgebucht zu sein, vermutlich auch aufgrund vieler Hoteliers, die während Covid aufgrund mangelnder staatlicher Unterstützung die Türen schliessen mussten. Kurzfristig sind häufig nur noch Apartments verfügbar, weshalb ich mich für ein gut eingerichtetes, aber relativ charmeloses Apartment entschliessen musste.

Nach einem kleinen Abendessen ging ich in eine Peña und freute mich sehr auf das Flamenco-Konzert. Leider merkte ich jedoch zu spät, dass es sich um ein etwas experimentelles Konzert handelte, welches abgesehen vom Gesang wenig mit Flamenco zu tun hatte. Da mir dies nicht besonders gefiel, entschloss ich mich, das Konzert ohne Reue vorzeitig zu verlassen und mir dafür etwas mehr Schlaf zu gönnen, um mich am nächsten Tag mit voller Aufmerksamkeit meinem Haupt-Tagesziel widmen zu können, der Mezquita-Catedral de Córdoba.

Meine Route bisher ist in der Karte oben wie folgt dargestellt: 

2 Responses

  1. Ja auch die Langweile hat ihren absolut verdienten Platz! Schön kannst Du auch diese genießen und Dich darin neu erholen …
    Sei lieb gegrüsst aus dem verregneten und langweiligen Zollikofen 😂
    Ich habe heute eine Zusage für mein ISP bekommen!!!
    🙏juhui – bis bald !