Am Donnerstagmorgen stand ich früh auf, um ein Frühstück bestehend aus leckerem Jamón de Serrano und frischgepresstem Orangensaft auf der noch menschenleeren “Plaza de España” zu geniessen. Es lohnt sich, diesen Platz am frühen Morgen zu besichtigen (ich war um ca. 8 Uhr dort), um die ansonsten üblichen Touristenmassen zu umgehen.

Nach dem Frühstück ging ich auf das erste verfügbare Zeitfenster hin das “Real Alcazár” (das königliche Schloss) besuchen. Allerdings stellte sich meine Idee, ich könnte das Schloss so ohne andere Touristen sehen und fotografieren, als naiv heraus, denn um dies tun zu können, hätte ich wohl schon eine Stunde früher anstehen müssen. Trotzdem sah ich das Schloss mit relativ wenigen anderen Menschen und war überwältigt von der Schönheit des vom Königshaus aktuell immer noch genutzten Schlosses, welches, wie viele andere Bauten in Andalusien auch, von einer reichen Geschichte und einer Mischung von Einflüssen aus dem Osten und dem Westen zeugt.

Leider erfuhr ich erst während des Besuchs, dass man innerhalb des Real Alcazár auch noch das Cuarto Real besuchen könnte – also den oberen, wohl noch eindrücklicheren Teil, der vom spanischen König selbst genutzt wird. Allerdings braucht man dafür Extra-Tickets, die mindestens ca. 2 Wochen im Voraus gebucht werden müssen, da sie sonst immer ausverkauft sind.

Am Nachmittag erholte ich mich im Hotel vom intensiven Programm und recherchierte die vielen Optionen, um ein Flamenco-Konzert in Sevilla hören zu gehen. Zuerst ging ich ins “Museo de Flamenco” von Christina Hoyos, welches mir sehr gut gefiel! Das kleine Flamenco-Museum, welches das einzige seiner Art ist, zeigt auf kleinem Raum die Ursprünge des Flamencos sowie die hauptsächlichen Unter-Gattungen (“palos”) des Flamencos. Jeden Tag gibt es zudem zwei Konzerte, also besuchte ich gleich anschliessend an den Museumsbesuch ein Konzert. Obschon die Show in gewisser Hinsicht für Touristen gemacht ist, war das Niveau der Tänzer, Sänger und Musiker, zumindest aus meiner Sicht, absolute Spitzenklasse, so dass sogar die anfangs noch lärmige und mühsame französische Schulklasse hinter mir während des Konzerts komplett still wurde!

Zitat aus dem Flamenco-Museum

Da das Konzert für spanische Verhältnisse relativ früh stattfand (um 19.30 Uhr) und Sevilla eine unglaubliche Auswahl von Flamenco-Konzerten auf Spitzenniveau hat, entschied ich mich, am selben Abend noch an ein zweites Konzert zu gehen in einer kleinen Peña, welche mir vom freundlichen Gastgeber meiner Unterkunft empfohlen wurde. Bezüglich Flamenco-Konzerte habe ich in Andalusien vorwiegend zwei Arten von Lokalen gesehen, sogenannte “Tablaos” und “Peñas”. Während die Tablaos meist etwas grösser und touristischer sind, sind die Peñas häufig etwas kleiner und weniger professionell, dafür umso mehr von Spaniern besucht und mit lokalen Künstlern, die den Flamenco lebendig erhalten und neu erfinden. Das zweite Konzert war absolut grandios. Die Peña war ein kleiner Raum in einer Sackgasse und der Eintritt kostete lediglich 9 Euro. Ich war fast der einzige Tourist und kam schnell mit den kontaktfreudigen Spaniern um mich herum ins Gespräch. Die Stimmung vor und während des Konzerts war viel ausgelassener als diejenige im Flamenco-Museum, viele Besucher schienen sich bereits zu kennen und tauschten sich vor dem Konzert und während der Pause lebhaft bei Bier und Tortilla aus. Da ich, aufgrund meiner Grösse, wie fast immer zuhinterst im Saal sass, um niemanden zu stören, und einige Menschen während der Vorführung auch Videos machten, erlaubte ich mir, dies ab und zu auch zu tun (Weiterleitung auf Anfrage). Das Flamenco-Konzert war einfach fantastisch und ich fühlte mich wie zu Hause, da ich mit viel Flamenco um mich herum aufgewachsen bin. Ich freute mich enorm, diese wunderschöne Musik für mich wiederentdeckt zu haben, nachdem ich lange keinen Flamenco mehr gehört hatte!

Voller Eindrücke schlenderte ich in mein Hotel zurück und fiel müde ins Bett.

6 Responses

  1. Superbe, je te souhaite bonne route et surtout bonne bouffe ! le meilleur en velo c’est de dejeuner et diner plusieurs fois.

  2. superschön! Die Bauten sind voller Einflüsse aus Afrika? Bitte trink eine frischen Orangensaft für mich, (das gibts bei uns ja nicht, nur aus diesen doofen Traktor Flaschen vorgepresst, darüber nerve ich mich immer wieder in der CH….und sie sagen immer: doch es ist frisch. Frisch aus dem Pet…
    Gutes weiterradeln, Alice

    1. Genau so ist es! Ja, viele Einflüsse stammen aus arabischen Ländern, früher hiess es ja Al-Andalus. Genau, das habe ich heute Morgen gerade gemacht, frisch gepresster Saft ist wirklich etwas vom Besten! 🙂
      Lieber Gruss aus Madrid, morgen geht es weiter nach Segovia,
      Cyril

  3. Sevilla muss einfach unheimlich schön sein. Das ist definitiv eine Lücke in meiner Reisewelt!!!
    Es freut mich hast Du den Flamenco gefunden- ja das ist Leben pur! Ich liebe es!
    Der Palast muss umwerfend sein! Danke Dir für die wunderbaren Bilder und die Möglichkeit mit Dir in diese Schönheit der islamischen , abendländischen Kunst einzutauchen !!!!

    1. Ja, Sevilla ist wirklich umwerfend schön! Ja, der Palast war etwas vom Schönsten, dass ich in Andalusien gesehen habe, für mich persönlich vergleichbar mit der Alhambra (wenn auch weniger episch gelegen). Ja, nach Sevilla solltest Du wirklich einmal gehen, schon nur wegen den vielen hochkarätigen Flamenco-Konzerten! 🙂