Nachdem am Sonntagmorgen im Hotel Alba in Asilah mein Frühstück pünktlich um 7 Uhr geliefert wurde, fuhr ich früh bei traumhaftem Wetter in Richtung Tangier los. Die gesamte Strecke bis zum Hafen war ca. 45 Kilometer lang. Dank dem guten Wetter und ausgeruhten Beinen kam ich schon nach etwa 2 Stunden am Ziel an.

Die administrativen Aufwände für die Fähre hätten nicht geringer sein können: Direkt am Hafen konnte ich für 430 Dirham (ca. 40 Euro) ein Billett für mich und das Fahrrad kaufen, sowie die verbleibenden Dirham zu einem guten Kurs in Euro umwechseln. Letzteres ging aber erst, nachdem sie mir zuerst einen schlechteren Kurs angeboten hatten und ich ablehnte – ich wusste bisher nicht, dass man selbst Wechselkurse verhandeln kann!
Die Überfahrt nach Spanien war episch. Ich war mir nicht bewusst, dass man selbst von der spanischen Seite des Gibraltars noch die Atlas-Berge in Marokko sieht!
In Spanien angekommen, war ich plötzlich in einer völlig anderen Welt voller kultureller Unterschiede trotz der verschwindend kleinen geographischen Distanz zu Marokko. Im Zentrum der Stadt stand wieder eine Kirche und ich war inmitten eines Spektakels von Farben, Gerüchen, Tapas-Bars, Gelaterias und vielem Weiterem. Zum ersten Mal seit einem Monat sah ich wieder Menschen in Shorts und T-Shirts, die nicht einmal Touristen sind, sondern lokale Leute selber! Nach einer kurzen Sandwich-Pause machte ich mich auf den Weg in Richtung Conil de la Frontera, wo ich ein Hotelzimmer auf dem Weg nach Cádiz gebucht hatte. Zum ersten Mal seit langer Zeit sah ich einen Strand, der so genutzt wird, wie man es sich als Europäer gewöhnt ist: Während ich am Strand in Asilah vorwiegend Spaziergänger männlichen Geschlechts sowie einige Pferde-Reiter gesehen hatte, waren es hier Surfer, in Bikini gekleidete Frauen am Baden, Jogger, Fahrradfahrerinnen und allerlei andere Leute, welche sich am Strand und in Strandnähe tummelten. Im Moment ist es hier aussergewöhnlich heiss für diese Jahreszeit, weshalb es viele Menschen an den Strand zieht. Die Vegetation hier ist noch um einiges satter und grüner als diejenige in Marokko, war mir sehr gefällt! Die Aussicht auf das Meer und die Berge ist überwältigend schön!





Die Landschaft wurde immer schöner und ich fuhr an so vielen Windrädern vorbei, wie ich wohl in meinem ganzen Leben zusammengezählt noch nie gesehen habe (der Versuch, sie während dem Fahren zu zählen, hätte zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko geführt).


Um ca. 15 Uhr befand ich, dass ein Sandwich wohl doch nicht ganz ausreiche für die 120-Kilometer-Etappe, die ich and diesem Tag vorhatte. Schnell fand ich ein Restaurant am Meer mit wunderschöner Aussicht, in welchem ich mir ein 300g-Entrecôte (Protein für meine Beine) bestellte. Besonders frappant war der Unterschied zwischen Marokko und Spanien, was den Alkoholkonsum anbelangt: Während ich in Marokko einen Monat lang niemand trinken gesehen hatte, war ich in Spanien der einzige Gast im Restaurant, der keine Cerveza und keinen Vino vor sich hatte. Das musste ich – im wahrsten Sinne des Wortes – zuerst einmal verdauen!

Die Aussichten wurden immer epischer, insbesondere als ich durch den Nationalpark “La Breña y Marismas del Barbate” fuhr und auf epische Klippenlandschaften heruntersah, die wie aus einem Film waren.


Um ca. 18.30 Uhr kam ich in wunderschönem Abendlicht in Conil de la Frontera an, welches sich ca. 50 Kilometer von Cádiz entfernt befindet, und übernachtete im relativ neuen sowie schlichten Hotel “Leonor”. Woran ich mich noch gewöhnen muss, sind die spanischen Essenszeiten. Das Abendessen hier beginnt meist erst ca. zwischen 20.30 und 21.00 Uhr, weshalb ich mir nun in Zukunft wohl angewöhnen werde, das Mittagessen möglichst spät einzunehmen, um meine “Hungerstrecke” zu verkürzen.