Am Donnerstagmorgen fuhr ich früh mit dem Fahrrad los, um den steigungsreichen Teil nach Meknès in Angriff zu nehmen. Mein erstes Zwischenzeil war die Stadt Moulay Idriss, die älteste Stadt Marokkos, in welcher sich das Grab von Moulay Idriss befindet, dem Staatsgründer Marokkos. Moulay Idriss gilt nicht nur als der Staatsgründer Marokkos, sondern er soll auch den Islam in Marokko verbreitet haben. Die Stadt gilt vielen Marokkanern als heilig und durfte bis ins 20. Jahrhundert von Ausländern nicht betreten werden. Für mich persönlich war die Stadt bis auf ihre Lage nichts Spezielles. Leider bleibt Nicht-Muslimen der Eintritt in das Mausoleum von Moulay Idriss verwehrt, so dass die touristische Hauptattraktion der Blick von der Spitze des Hügels auf die Stadt und das Mausoleum ist.

Nach einem kleinen Mittagessen (Sandwich mit Poulet, 20 Dirham) fuhr ich nach Volubilis weiter, einer eindrücklichen, ausgedehnten archäologischen Stätte, mit einigen der am besten erhaltenen Monumenten Nordafrikas aus der römischen Zeit (UNESCO Welterbe seit 1997). Unglaublich, dass die vorchristlichen Bauwerke der Römer noch heute halbwegs «stehen», währenddem Häuser, die vor 30 Jahren gebaut wurden, schon verlottern… Erstaunlich auch, wie man damals den 14 Meter Triumphbogen bauen konnte. Da kommt mir der berühmte Obelix-Spruch in den Sinn: Die spinnen, die Römer!

Nach Volubilis fuhr ich auf einer Regionalstrasse weiter in Richtung Asilah, welches ich innerhalb von zwei Tagen erreichen wollte. Die Strasse verlief zuerst sehr angenehm, dann kam jedoch etwas, das ich persönlich weniger angenehm finde: Strassenhunde. Als ich an verschiedenen Bauernhöfen und Häusern vorbeifuhr, bellte mich fast jedes Mal mindestens ein Hund an. Als mir dann auch noch zwei Hunde nachrannten und ich sie trotz lautem Hupen mit meinem AirZound-Luftdruck-System nicht abschrecken konnte (welches mit 115 Dezibel laut genug sein sollte), waren meine Nerven ziemlich aufgebraucht. Leider wusste ich noch nicht, wie mit bellenden Hunden umzugehen, da ich das bisher noch nie erlebt habe. Ich hielt auf einem Platz vor dem nächsten Dorf für eine “mentale Erholungs-Pause” an. Die Leute sahen mir die Erschöpfung wohl sichtlich an und waren enorm freundlich. Ein Mann erklärte mir, ich solle bei Hunden einfach anhalten und laufen. Er erklärte sich sogar bereit, mit mir durch das Dorf zu spazieren, damit ich mich erholen könne und nicht angebellt werde. In ländlichen Regionen nehme ich solche Angebote jeweils gerne an, denn hier scheinen mir die Menschen im Allgemeinen ehrlich und hilfsbereit zu sein, im Gegensatz zu gewissen falschen «Guides” an touristischen Destinationen. Mustafa war sehr freundlich und beruhigte mich. Ich sah zudem, dass Hunde tatsächlich primär auf die Geschwindigkeit zu reagieren scheinen, beispielsweise bei einem Kind, das rannte und den Hund zum Mitlaufen animierte, währenddem trotz meines ungewohntem Auftretens kein Hund sich für mich zu interessieren schien, als ich durch das Dorf ging. Nun war ich etwas beruhigter, trotzdem spürte ich die mentale Aufregung noch. 

Ich fuhr noch ca. 20 Kilometer bis in die nächstgelegene Ortschaft Sidi Kacem, wo ich mich nach einigen Überlegungen dazu entschied, den Bus nach Asilah zu nehmen. Ich wollte ursprünglich wild zelten, da es zwischen Moulay Idriss und Asilah auf ca. 230 Kilometern kein einziges Hotel gibt. Das Erlebnis mit den bellenden Hunden gab mir aber zu denken und erinnerte mich daran, dass ich bereits mehrmals in verschiedenen Regionen Marokkos die ganze Nacht durch bellende Hunde gehört hatte, die tagsüber schlafen und nachts Revierkämpfe führen. Darauf hatte ich nun wirklich keine Lust, zudem habe ich das Zelt bisher noch nie benutzt, weshalb ich das wohl lieber das erste Mal auf einem Campingplatz tun werde. Zudem waren die verbleibenden ca. 120 Kilometer komplett flach und daher landschaftlich eher uninteressant. Es stellt mir ja niemand einen Pokal aus für eine “gesamthaft am Stück gefahrene Velostrecke”. Diese Vorstellung hatte ich, wie man meiner bisherigen Strecke ansieht, ohnehin noch nie. Machmal kann man es einfach “Asilah”!

Die Entscheidung war goldrichtig. Im Bus traf ich einen sehr netten Herren, mit dem ich Gespräche über die Berge, das Radfahren, Marokko und vieles Weiteres führte. Die Menschen sind hier im Allgemeinen sehr warmherzig, freundlich und gesprächig, zum Glück aber meist nicht aufdringlich. So vergingen die ca. 3 Stunden im Bus wie im Flug und ich kam um ca. 21 Uhr in der Künstlerstadt Asilah am Atlantik an, wo ich ein Zimmer im sehr schönen Hotel Al Alba bezog.

Aussicht auf dem Weg zwischen Volubilis und Sidi Kacem, wo ich den Bus nach Asilah nahm.

Meine Route bisher ist in der Karte oben wie folgt dargestellt: