Am Mittwochmorgen überlegte ich mir kurz, vor dem Frühstück den Sonnenaufgang in der Wüste anzuschauen. Da ich jedoch damit rechnete, dass die Wüste wohl voller Touristen und potentiell Quads, Offroadern, Kamelen und anderen “Fahrzeugen” sein würde, und ich die Wüste ohnehin schon in ihrer “Reinform” von Ägypten her kenne, genoss ich es dann doch lieber, noch etwas auszuschlafen. Nach dem eher enttäuschenden Frühstück, welches in einem sogenannten “Luxus-Camp” nebenan angeboten wurde, hatte ich die Auswahl zwischen Abreise per Auto oder per Kamel. Letzteres hatte ich noch nie gemacht, deshalb wollte ich es ausprobieren, da ich jedoch ewig auf andere Mitreisende warten musste, fragte ich, ob ich auch das Auto nehmen könne. Der unfreundliche Fahrer meinte jedoch, sie fahren gerade ab und ich müsse noch eine Runde warten… Da mich das lange Warten und die unzuverlässigen Angaben enorm nervten, entschied ich mich auf Anraten des sehr freundlichen Kamel-Führers Ali dazu, die 10 Kilometer Wüste einfach per Fuss zu durchqueren. Ich lief also los und freute mich, die Wüste zumindest gewissermassen “für mich” zu haben. Nichtsdestotrotz war der Marsch durch den Sand und über viele Dünen doch auch sehr anstrengend. Umso mehr freute ich mich, als ich völlig unerwartet Ali hinter mir sah mit zwei Kamelen zur Alleinnutzung, da die anderen Touristen doch nicht per Kamel zurückreisten! Ali, ein kleinwüchsiger Nomade und Bauer aus der Region, war enorm freundlich und ich freute mich sehr, mit ihm und auf dem Kamel die Wüste zu durchqueren, so dass ich mich mit der Wüste versöhnen konnte und die touristischen Geldmaschinen wortwörtlich “hinter mir” lassen konnte.







Nach ca. 2 Stunden Ritt kam ich in Merzouga an und freute mich, die schmerzenden Beine im bequemen Auto auszuruhen. Ich fuhr also Richtung Atlasgebirge, wo ich einige Täler besuchen wollte, auf welche ich mich enorm freute. Nicht nur sind die Täler im Atlas-Gebirge unglaublich schön (dazu später mehr), sondern sie können aufgrund ihrer Weite und Grösse gar nie touristisch so ausgeschlachtet werden wie die Merzouga-Wüste. Meine erste Zwischenstation war Tinghir, eine Ortschaft, welche das Eingangstor zum beeindruckenden Todra-Tal bildet. In Tinghir sah ich an einem Tag wohl so viele Velo-Reisende wie bisher auf der ganzen Reise, nämlich ca. 10 Reisende und Reisegruppen, so dass ich wiederum sehr neidisch wurde und gerne mit dem Fahrrad das eindrückliche Bergtal befahren hätte.
Sobald man die üppigen Oasen verlassen hat, kommt man in die imposante Schlucht des Todra-Tals, in welche aufgrund der enorm hohen Felswände kaum Sonnenschein gelangt.






Gerne wäre ich noch weiter ins Tal gefahren, da ich jedoch eine Route geplant hatte, die in einem anderen Tal endete, musste ich mich leider an einem Punkt zum Umkehren entscheiden. Diese Entscheidung fiel mir überhaupt nicht leicht, denn bisher hatte ich mit dem Fahrrad wenn immer möglich eine “Rundreise” gemacht und dabei zu vermeiden versucht, das gleiche Teilstück zweimal zu machen. Wäre ich jedoch über den Pass gefahren, wäre ich schon wieder in der Nähe von Fès gelandet, wo ich das Auto ausgeliehen hatte, dieses hatte ich jedoch noch für einige Tage und wollte deshalb die Route noch etwas verlängern, so dass eine Umkehr und Weiterfahrt die sinnvollste Option war. Diese Tatsache und die Lust auf das Velofahren stimmten mich nicht sehr zufrieden. Ich halte mich einfach nicht gerne den ganzen Tag still und mache nichts! Ich begann, die Bewegung, die Sonne und die Anstrengung zu vermissen. Ich fuhr trotzdem weiter und genoss die Landschaft sehr. Eigentlich schon unglaublich, wie die meisten Menschen reisen: So wie ich jetzt gereist bin, fährt man den grössten Teil des Tages einfach an Dingen und Landschaften vorbei, die einen nicht interessieren, und wenn man dann ermüdet vom Fahren am “Zielort” ankommt, verbringt man nur wenig Zeit dort, wird sofort von Verkäufern und Guides angesprochen, die man abwimmeln muss, und fährt dann gleich weiter. Eine Einsicht ist aus der Woche mit dem Auto definitiv bereits entstanden: Das Ziel ist zwar wichtig, der Weg aber genauso!



Gegen 18 Uhr kam ich im Dades-Tal an, wo ich überwältigt war von einer Landschaft, wie ich sie bisher noch nie gesehen habe. Wunderschöne rote Felswände umgaben eine Oase, welche sich weit durchs Tal zog, dazu prägten eindrückliche Lehmburgen (Kasbahs) die abwechslungsreiche Tallandschaft.




Eindrücke aus dem Dades-Tal
Ca. 20 Kilometer talaufwärts und auf ca. 1700 M.ü.M. fand ich ein Zimmer im Hotel “Dar Essalama”, welches vom sehr netten Moha(mmed) geführt wird. Das Hotel war sehr einfach, mit dicken Mauern (es wurde in der Nacht sehr kalt) und einem Holzofen. Auf seiner Dachterrasse machte er mir den wohl bisher besten Tee, bei welchem er zusätzlich zum “gewohnten” Grüntee und der Pfefferminze noch Berg-Thymian hinzufügte. Eine wirklich geniale Idee, welche ich in der Schweiz auch ausprobieren will!
Auf der Dachterrasse sah ich den Sonnenuntergang mit wunderschönen Wolken, die ich so bisher noch kaum je gesehen habe.
Nach dem Sonnenuntergang bereitete mir der Koch Achmed eine wunderbare Suppe, einen Salat und eine leckere Tajine mit frischem Gemüse zu.



Moha und Achmed sind beide Berg-Guides und sie zeigten mir noch einige Fotos von Wanderungen in entlegene Berber-Bergdörfer, die ich bei Gelegenheit und mit mehr Zeit extrem gerne machen würde. Zufrieden und dankbar fiel ich ins Bett.
Meine Route bisher ist in der Karte oben wie folgt dargestellt:
- In Blau sind Abschnitte, welche ich mit dem Fahrrad gefahren bin
- In Grau sind Abschnitte, welche ich per Bus oder Taxi gefahren bin (Veloverlad)
- In Schwarz sind Abschnitte, welche ich mit dem Auto gefahren bin (Fahrrad in Fès zurückgelassen).
Lieber Cyril, das tönt alles spannend, wäre jetzt auch gerne dort und würde so einen Tee trinken mit dir! Tagine hatte ich bis zum abwinken… aber wenn es fein und frisch ist, auch gut! Das Filmli ist schön als Timeslap (oder wie heisst das schon wieder?). schön deine Fotos, blauer Himmel ist im Grunde genommen langweilig, Wolken geben den Fotos diese Dramatik. Gutes Weiterreisen, Lieben Gruss, Alice
Timelapse! 😂
Ja, Wolken finde ich auch etwas Wunderschönes, man kann kaum genug davon bekommen!
Danke und liebe Gruess, Cyril