Am Samstag habe ich aufgrund des starken Regens am Morgen noch etwas abgewartet mit dem Losfahren. Als der Regen gegen 11 Uhr nachliess, habe ich mich entschieden, doch noch loszufahren und zu versuchen, am gleichen Tag noch nach Meknès zu kommen, was jedoch mit 144 Kilometern und 1500 Höhenmetern Steigung auf der Strecke ziemlich ambitioniert war, insbesondere angesichts der Abfahrtszeit von ca. 11.15. Ich hoffte jedoch, dass mich der starke Rückenwind dabei unterstützen würde. Allgemein habe ich die letzten Tage schon ein paarmal über Planänderungen nachgedacht, da es für den Norden des Atlas für die ganze nächste Woche regnerisch und bewölkt angesagt ist, währenddem im Süden (Merzouga), wo ich auch noch hingehen möchte, sonniges Wetter angesagt ist. Ich plante deshalb, in Fès ein Auto zu mieten, um mir eine körperliche Pause vor einigen intensiven Etappen im Atlas-Gebirge zu gönnen und eine Woche lang den Süden Marokkos zu bereisen.

Mein ursprünglicher Plan war wie folgt: am Samstag mit dem Fahrrad von Rabat nach Meknès losfahren, dort einen Starkregen-Tag abwarten, am Folgetag in einem trockenen Zeitfenster von Meknès nach Fès weiterfahren und danach in Fès ein Auto mieten. Als jedoch schon kurz nach der Losfahrt von Rabat und im Verlaufe des Tages immer wieder dunkle Wolken aufzogen und ich über die Wetterprognose nachdachte, rückte meine Entscheidung näher, eine Art “Plan-Rochade” zu vollziehen und schon am selben Tag per Taxi oder Bus bis nach Fès zu fahren, um dann dort gleich am Folgetag ein Auto zu mieten, mit dem ich in den sonnigeren Süden fahren würde, um dann später – inshallah – mit Sonnenschein Fès, Meknès und den Norden Marokkos per Velo zu befahren. Ich entschloss mich also, soweit zu fahren, wie ich komme, und danach noch am gleichen Tag ein Taxi oder einen Bus nach Fès zu nehmen.

Die Strasse war super und der Rückenwind angenehm, allerdings hatte es entlang der ganzen Strecke sehr viele Autos und Lastwagen, was, selbst mit der rücksichtsvollen Fahrweise aller Verkehrsteilnehmer, mit der Zeit sehr ermüdend war. Ich fuhr trotzdem noch etwas weiter, beflügelt durch enormen Rückenwind. Mit einem voll bepackten Fahrrad mit 40 km/h den Berg hoch(!)zufahren, das hatte ich schon lange nicht mehr erlebt! Leider kam dann doch noch eine enorme Regenzelle und ich kam völlig durchnässt in Khemisset an. Sofern man aber dabei Rückenwind hat, macht das Fahren im Regen sehr Spass und wirkt unglaublich erfrischend. Die Luft ist endlich einmal ganz rein und man fühlt sich wie nach einem erfrischenden Bad! Auch die Menschen scheinen hier den Regen sehr zu schätzen, ein Bauer auf dem Motorrad war hocherfreut über den Regen, da dieser für die Felder, die Wiesen und somit auch für die Tiere gut ist. 

Um ca. 17 Uhr kam ich Khemisset an, ca. 60 Kilometer vor Meknès, und der Regen hörte auf, dafür wurde ich mit einem wunderschönen, perfekten Regenbogen belohnt.

Ein wunderschöner Doppelregenbogen in Khemisset

In derselben Ortschaft entschloss ich mich, das Taxi nach Fès zu nehmen. Ein grosser Vorteil meiner aktuellen Reiseart ist die Flexibilität, jederzeit die Pläne ändern zu können, da ich aufgrund der aktuell veränderlichen Wetterlage und aufgrund meiner eingeschränkten Landeskenntnisse die Hotels meist erst am gleichen Tag buche. Ich verlud also das Velo ins Taxi und fuhr nach Fès, zum Preis von ca. 100 Dirham (10 Euro). Das Velo wurde auf das Taxidach verladen und mit Seilen gesichert, wenn auch mit zum Teil wohl fragwürdigem Sicherheitseffekt, den ich so gut es ging noch überall nachbesserte. Allerdings habe ich mir, wohl auch aufgrund der Ermüdung und der vielen neuen Eindrücke, nicht überlegt, dass es regnen könnte und dass das wohl für einige Velokomponenten potentiell starke Strapazen bedeuten könnte. Ich zitterte also die ganze Fahrt über, nicht nur aus Angst über den Zustands meines Fahrrads während der Fahrt und dessen Sicherung, sondern auch weil der Fahrer konsequent die Scheiben herunterliess, um zumindest ein minimales seitliches Sichtfeld zu haben, da die durch den Regen beschlagenen Rückspiegel wohl so gut wie nutzlos waren und auch der Scheibenwischer nur sehr spärlich eingesetzt wurde, wohl etwa ab einer gefühlten Sichtbarkeit von 20%. Die Fahrkünste des Taxifahrers waren trotz seiner angeblichen 30 Jahre Erfahrung auch nicht viel besser. Blinken zum Beispiel wird hier nicht sehr ernst genommen, ebenso wenig wie den Blinker nach dem Spurwechsel auszumachen. Überdies habe ich bisher auch schon viele Leute gesehen, die “zu mir” blinken, um den andern Fahrern zu sagen: “Achtung, hier ist jemand rechts von mir”! Das ist ja eigentlich nett, aber entspricht wohl auch nicht ganz den besten Fahrstandards. Am meisten Kopfschütteln haben mir aber bisher die Kreisel bereitet: Linksvortritt wird hier ebenso konsequent missachtet wie Warten vor dem Kreisel, so dass eigentlich jeder dreispurige Kreisel genauso gut einspurig sein könnte, da ja die ersten beiden Spuren ohnehin von wartenden Autos blockiert werden! Nicht zuletzt war ich beeindruckt von der Unfallslosigkeit des Taxifahrer bei seinen abenteuerlichen “Abständen” zu den Autos vor ihm. Wahrscheinlich wollte er ihnen einfach sagen: ihr fahrt nur mit der zugelassenen Geschwindigkeit, das regt mich auf! Völlig verständlich, oder?

Ich war jedenfalls nur froh, als ich um ca. 20 Uhr in Fès ankam. Als ich das Velo vom Dach nahm, die Taschen anmachte und losfuhr, schien es mir, dass noch alles funktioniert! Röbi, falls Du diesen Blog liest, möchte ich Dir an dieser Stelle sagen: unglaublich, Deine Velos sind hart im Nehmen!

Gegen 8.30 kam ich im Riad in Fès an, welches zwar sehr schön ist, nach demjenigen in Rabat kann mich aber wohl kaum mehr etwas richtig überwältigen. Das sehr neue 4-Sterne-Hotel ist unglaublich komfortabel, mit Fenstern, die wohl besser sind als diejenigen unserer Wohnung in Zürich, gutem Internet, komfortablem Bett, inklusive Top-Frühstück, und das für 40€ pro Nacht. Was will man mehr!

3 Responses

  1. Liebe Cyril, ja da hast Du nach unserem Telefon am Samstag ja noch Einiges erlebt! Ich hoffe Du kommst klar mit den Strassen und dem Autofahren in Marokko. Du traust Dir ja Einiges zu 😉 Hier ist es zur Zeit nochmals Winter geworden und wir ersehnen uns die wärmeren Tage! Ich hoffe Du hast etwas Sonne gefunden im Süden. Ich freue mich sehr auf weitere Erzählungen! Lieber Gruss aus der kalten Schweiz.

  2. …abenteuerlich, gut auch mal die Pläne zu ändern. Reservierst du immer vor oder guckst du vor Ort? Beides hat Vor und Nachteile. Ich wäre glaubs eher der Typ «vor Ort» gucken, vor allem scheint ja Nebensaison zu sein und überall findet sich ein Bett? Oder ist es anders als ich denke? Gutes weiterreisen und hoffe das Essen ist sehr lecker….

    1. Ja, ich schaue meistens direkt vor Ort, im Moment gibt es tatsächlich sehr viele freie Hotels und ich geniesse die Flexibilität, meine Pläne spontan ändern zu können. Manchmal merkt man, dass es unterwegs noch viel mehr zu sehen gibt als ursprünglich geplant, wie etwa heute, als ich statt bis nach Ouazazate nur bis in das wunderschöne Dades-Tal gefahren bin. Nun gehe ich dort hier morgen auf eine kleine Wanderung – bald mehr dazu in einem Blogpost. 😊
      Ja, das Essen ist fantastisch und ich geniesse es in vollen Zügen! Auch dazu wohl bald mehr in einem neuen Blogpost.
      Liebe Gruess, Cyril