Am Sonntag bin ich von Essouira nach Safi losgefahren, ca. 125 Kilometer und um die 1000 Höhenmeter standen auf dem Programm. Ich entschied mich, die Route an einem Tag zu machen, da es dazwischen wenige Ortschaften und kaum Hotels gibt. Nach einem kürzeren Aufstieg von 0 auf etwa 100 Meter über Meer fing eine kleine und angenehme Strasse an, mit je einer Spur in beide Richtungen. Bei etwas dunstigem Wetter fuhr ich auf diese Anhöhe durch aride Wälder und Büsche und sah viele Hügelketten, welche sich in der Ferne im Dunst auflösten. Nach einigen Kilometern fuhr ich wieder zum Meer hinunter und kam dabei durch sehr ländliche Dörfer, mit vielen Bauern, welche auf ihren Eseln reitend Kühe und Schafe hüteten. Es war wunderschön.



Mit der Zeit lockerte sich der Dunst auf und die Landschaft wurde immer satter und grüner. Viele Trockenmauern erinnerten mich an den Jura und die Vögel sangen auf den wunderschönen Arganbäumen. Zum ersten Mal in diesem Jahr hatte ich den Eindruck, dass der Frühling so richtig beginnt. Als ich danach in einem Dorf auf Arabisch eine Tajine für umgerechnet 2.50 Franken zum Mittagessen bestellte, hatte ich ich das Gefühl, so richtig in Marokko angekommen zu sein.

Als wären es nicht schon genug der magisch-schönen Erlebnisse, sah ich an diesem Tag so viele wilde Tiere wie noch nie zuvor. Auf einem Aufstieg traute ich meinen Augen nicht, als mich ein wunderschöner Baby-Kauz aus ca. 4 Metern Entfernung direkt anschaute! Leider war er schon in das Tal heruntergeflogen, als ich meine Kamera aus der Lenkertasche gezogen hatte. Umso erfreuter war ich, als ich mit erneutem Erstaunen ein weiteres wunderschönes Tier sah: eine kleine Schildkröte! Sie war gerade daran, die Strasse zu überqueren, daher hielt ich die Autos hinter mir kurz an, damit sie nicht überfahren wurde. Die Autofahrer hinter mir freuten sich und waren dankbar dafür.

Entlang des ganzen Weges sah ich immer wieder kleine Schildkröten und weitere Tiere. Auch eine Schlange meinte ich am Wegrand erkannt zu haben. Nicht nur Kühe und Schafe werden in Marokko wild (also ohne Zaun) gehalten, sondern auch Pferde. Dafür haben die meisten Kühe die Vorderbeine zusammengebunden und sind manchmal noch mit einem Seil an einem Haus angemacht, was wohl nicht den Schweizerischen Tierhaltungsrichtlinien entsprechen würde. Nicht zuletzt gibt es auch sehr viele Strassenhunde in Marokko, die allermeisten sind aber bei Begegnungen komplett regungslos und wohl abgehärtet vom Verkehr. Nur wenige Hunde bellten mich an, hörten dann aber jeweils auch wieder schnell auf, als sie merkten, dass ich wegfahre.

Gegen den späteren Nachmittag erreichte ich einen Streckenabschnitt, welchen ich wohl besser mit Bildern zu umschreiben versuche, weil sich die epischen Aussichten auf den unendlich grossen Atlantik und die riesigen Felsklippen kaum akkurat mit Worten beschreiben lassen.


Bei der Klippe legte ich eine Pause ein und gönnte mir etwas Toblerone (Schweizer Schokolade) mit marokkanischem Brot – was für ein Genuss, das Beste aus verschiedenen Kulturen kombinieren zu können! Vor Safi ging es noch durch zwei industrielle Gebiete, in welchen offenbar Phosphat produziert wird.


Glücklicherweise habe ich, wohl auch wegen der Windrichtung, kaum Gerüche davon wahrgenommen.
Die Landschaft war surreal schön und ich kam trotz müden Beinen gut voran. Gegen Abend traf ich dann noch das Paar Michael und Joanna Kepinska, welche mit ihren Rennrädern ebenfalls in meine Richtung fuhren und auf dem Weg nach Warschau sind. Wir tauschten einige Geschichten aus und fuhren danach getrennt weiter nach Safi, wo sie einen Pausentag einlegten.
Zuletzt gab es dann nochmals eine traumhafte Abfahrt nach Safi.

In Safi bezog ich ein Zimmer im zentral gelegenen Riad Le Cheval Blanc für 25€/Nacht. Der Empfang war herzlich und das Zimmer war sauber, gross sowie praktisch. Sogar ein sehr gutes Frühstück war mit inbegriffen! Aufgrund des perfekten Preis-Leistungsverhältnisses, der zentralen Lage und dem freundlichen Personal kann ich das Hotel nur weiterempfehlen. Nach einem Burger in einer Rooftopbar mit Aussicht auf das Meer und arabischer Musik fiel ich müde und zufrieden ins Bett.

Weitere Blog-Posts kommen voraussichtlich morgen (am 23. Februar 2023).
Ja, das spürt man, dass Du nun ganz angekommen bist! Ich bin schon ganz gespannt auf die Fortsetzung- Wunderbar, ich kann richtig eintauchen in deine Erzählungen! Danke lässt Du uns teilhaben!
Ich hatte als Kind auch so eine Schildkröte- leider lief Sie mir dann davon. Schildkröten sind schneller als man denkt, aber Diese in freier Wildbahn zu sehen und sie von der Strasse zu retten ist doch etwas Besonderes!
Sei herzlich gegrüsst aus der Schweiz 🇨🇭🙋🏻♀️
Meine Schildkröte ist damals auch entlaufen, ist dann aber wieder gefunden worden – plötzlich hat der Bauer auf dem Feld hinter dem Haus geschrien: «Es Krokodil, es Krokodil – Hilfe!»…da war klar, was der Bauer gefunden hat 😂
Lustig…das hast Du mir schon mal erzählt;-)
Soo schön – deine Schilderungen. Ich erlebe noch einmal die Faszination Marrokos.