Am Mittwoch stand ich früh auf, um mit der Morgensonne den Jardin Majorelle von Yves-Saint-Laurent anzuschauen. Leider sagte man mir vor Ort, dass die Tickets neuerdings nur noch online gebucht werden können… Mehr dazu dann später. Also fuhr ich mit einem Taxi in Richtung Bahia-Palast, bei welchem an orientalischer Ästhetik keineswegs gespart wurde.

Danach schaute ich mir die Saadier-Gräber an. Die Aussage, man könne nichts in den Tod mitnehmen, wurde von den Erbauern dieser Gräber gelinde gesagt in den Wind geschlagen. Schön fand ich insbesondere die Mosaik-Grabsteine, welche für mich persönlich einen leichten, farbigen Umgang mit dem Tod suggerieren. Davon würde ich mir persönlich auch bei uns mehr wünschen. Eindrücklich war auch die 12-Säulen-Halle. 

Durch so viele Eindrücke geprägt stärkte ich mich auf einem lokalen Sandwich-Imbiss für umgerechnet 1.50 Franken mit einem guten Mittagessen. 

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel schaute ich mir noch einige kleinere Paläste und Museen an. 

Als erstes lief ich zum Musée des Confluences  (Dar El Bacha), was mein persönliches  ästhetisches Highlight des Tages werden sollte. Insbesondere war ich fasziniert von den schönen Säulen, den Farben, sowie den meisterhaften Kunstwerken aus Stein. Letztere haben mich besonders beeindruckt durch die vielen filigranen, komplexen und ansprechenden Muster. Dazu gehören etwa Formen, die nicht nur wie gewöhnlich in den Stein hineingehauen sind, sondern bei denen der Stein teilweise auch so abgetragen wurde, dass die Endform übrig blieb («positive und negative Steinmetzenkunst», siehe Fotos unten).

Weiter ging es mit dem Museum der Musik, welches sich in einem Riad befindet, welcher vor wenigen Jahren schön renoviert wurde und eine gute Übersicht zu Kunst, Tanz und Brauchtümer der marokkanischen Kultur enthält. 

Weiter ging es im Photographie-Museum, welches sich ebenfalls in einem kleinräumigen Gebäude mit Riad-Struktur befinden und eine faszinierende Auswahl von Fotos zur marokkanischen Kultur enthält, alle aufgenommen zwischen ca. 1880 und 1960. Eindrücklich sind die Fotos von Berbern sowie weitere Fotos zum Thema Musik (Frauen beim Musizieren, Tanz, Hautbemalung etc.).

Da ich am Abend noch ein Berber-Konzert im Musik-Museum hören wollte und noch etwas Zeit zu überbrücken hatte, schaute ich mir zuletzt noch die Madrasa Ben Yussef an, eine Koranschule, welche wohl nur die Elite besuchen konnte. 

Durch das dichte Programm sehr erfüllt, aber auch ermüdet, gönnte ich mir einen frisch gepressten Granatapfelsaft und freute mich auf eine Stunde Berber-Konzert im Musik-Museum. Erholt und inspiriert durch die schönen Rhythmen und einige Begegnungen mit anderen Touristen beim anschliessenden Tee mit Gebäck auf der Dachterrasse, begab ich mich ins Restaurant.

Berber-Konzert im Musée de la Musique

Bevor ich mich entgültig müde ins Bett fallen liess, drehte ich noch eine Runde auf dem zentralen Platz, dem Jemaa El Fna. Der auf der UNESCO-Welterbeliste als immaterielles Kultur-Welterbe eingeschriebene Platz wird wohl zurecht als “Africa’s busiest square” bezeichnet. Abends finden sich hier die Händler zusammen und musizieren, tanzen, spielen, singen und noch Vieles mehr. Häufig bilden sich Grüppchen um Musiker herum, und wenn man genug von einer Darbietung hat, geht man zur nächsten weiter. Wirklich sehr sehenswert. Erfüllt durch einen unglaublich vollen Tag fiel mir das Einschlafen leicht.

Nachtleben auf der Jemaa El Fna

One Response

  1. Die Steinmetzkunst ist wirklich beeindruckend! Sehr schöne Fotos!
    Ja, Marokko scheint die Reise wert zu sein. Du machst uns Hiergebliebene “gluschtig“!